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Aufmerksamkeit

Der Umgang mit einem Kind, das uns keine Aufmerksamkeit schenkt, ist extrem frustrierend.

Das Kind dazu zu bewegen, uns anzusehen und auf uns zu hören, ist die Basis aller elterlichen Erziehung.
Die Prioritätenvergabe bei der Aufmerksamkeit erfolgt durch überwiegend unbewusste Dynamiken im kindlichen Gehirn. Ist das Kind vor allem hungrig, so wird Essen seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ist sein Bedürfnis sich zu orientieren am dringlichsten, so wird es nach Vertrautem suchen. Ist es alarmiert, so wird es mit aller Aufmerksamkeit nach möglichen Unstimmigkeiten suchen. Die Bindung ist in der Welt des Kindes allerdings das Allerwichtigste und spielt daher bei der Steuerung seiner Aufmerksamkeit eine zentrale Rolle.
Die Aufmerksamkeit folgt im Wesentlichen der Bindung.

Je stärker die Bindung, desto leichter können wir uns der Aufmerksamkeit des Kindes versichern.

Ist die Bindung schwach, so ist die Aufmerksamkeit des Kindes entsprechend schwierig zu erlangen.

Aus Sicht des Kindes macht es kaum einen Unterschied, ob die Eltern körperlich anwesend bleiben, wenn sie auf Grund von Stress, Sorgen, Depression oder weil etwas anderes sie vollständig in Beschlag nimmt, emotional abwesend sind.

Die nach außen gezeigten Reaktionen der Kinder werden die gleichen sein, da es für sie nicht nur um die körperliche Anwesenheit der Mutter oder des Vaters geht, sondern auch um die emotionale Zugänglichkeit der Eltern (Rückzugsdynamik)

Rückzugsdynamik:
Kinder, die in Beziehung zu ihren Eltern viel Unsicherheiten erleiden, werden die defensive Entfremdung zu ihrer Grundhaltung machen, um sich unverletzlich zu fühlen. Die Erfahrung der Abwesenheit ist so schmerzhaft, dass das Kind, um solchen Schmerz künftig zu vermeiden, sich in einen Panzer aus verhärteten Gefühlen verschließt, der undurchlässig ist für Liebe und damit auch für Schmerz.

 

Das heißt, dass sie entsprechend passiv reagieren und es ihnen schwer fällt ihre Eltern anzuschauen und ihnen ihre Aufmerksamkeit zu schenken.
Sind die Eltern die aktiven Bezugspersonen des Kindes, so wird durch ihre Liebe und ihr Verantwortungsbewusstsein normalerweise sichergestellt, dass das Kind sich nicht zu solchen verzweifelten Schritten gezwungen sieht.

 

Es ist also sehr wichtig unseren Kindern Aufmerksamkeit zu schenken und emotional bei ihnen zu sein, damit auch sie es können.

 

Halte öfter mal inne.

Ich weiß, dass es scheint, dass wir oft zu wenig Zeit haben und wir dazu neigen, vieles nebenbei zu regeln. Auch Dinge, die unsere Kinder betreffen (Anziehen, Aufräumen, Essen, ...). Meistens klappt das auch und die Kinder machen mit. Nimmt dies jedoch überhand, dann zeigen uns dies unsere Kinder sehr gut. Z.b. indem sie widersprechen, sich weigern, nicht mitmachen, etc.

Nehmen wir dieses "ablehnende" Verhalten dankbar an, dann ist es ein Segen für alle.

 

Halte also in diesen Situationen inne. Lass alle Sorgen, alles was auf der Liste steht, lass alles einfach mal fallen und wende dich deinem Kind zu. Schenke ihm deine volle Aufmerksamkeit, bis du merkst das es auch dir seine Aufmerksamkeit schenkt. Und dann redet miteinander.

 

Diese Aufmerksamkeit solltest du deinen Kinder natürlich sooft wie möglich schenken, denn dies wird auch dein Leben sehr bereichern.

 

 

Viele der Texte und Inhalte sind aus dem Buch: "Unsere Kinder brauchen uns" von Gordon Neufeld entnommen. Ein Buch das ich jedem ans Herz legen möchte.