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Selbstreflexion

Auch ich stecke voll in meiner Entwicklung und lerne fast täglich neues, v.a. durch mein Kind. Nun wurde ich auf ein Neues auf Probe gestellt und bin erst einmal kläglich gescheitert.

 

Plötzlich zu viert!

Meine Neffen, beide sieben und damit nur ein Dreivierteljahr jünger als mein Sohn, leben nun bei uns. Das heißt: drei Kindern sagen, dass sie sich anziehen sollen, aufräumen und nicht so rumschmattern. Und ja, ich habe mehr Ruhe, da die drei wunderbar miteinander spielen, aber hier gibt es ebenso mehr gejammer und geärgere. Problematisch v.a. bei Kindern, welche schon mehr Gewaltfilme gesehen und Spiele gespielt haben in ihrem kurzem Leben, als ich und auch kleinere Meinungsveschiedenheiten und Probleme in Handgreiflichkeiten ausarten.

Und dies ist gerade für mich ein sensibles Thema. Vor allem wenn ich bei diesen beiden sehe ich, dass sie von ihrem natürlichen Wesen her keiner Fliege etwas zu leide tun würden. Immer wieder erkenne ich in ihren Gesten und im Umgang miteinander und auch gerade mit kleineren Kindern wieviel Liebe und Umsicht in ihnen ist. Deshalb macht es mich vielleicht noch trauriger und ich bin noch motivierter sie aus den destruktiven Verhaltensweisen rauszubringen.

 

Was ist passiert?

Ich wurde, mehr als mir lieb ist, laut. Teilweise kamen richtig Aggressionen hoch, welche ihren Ursprung in dem Gefühl von Machtlosigkeit hatten, denn ich war sichtlich überfordert in so einigen Situationen.

Nach einem Nicht-Einschlafen-Wollen-Schauspiel von allen dreien, lag ich noch lange wach und dachte nach:

Was tue ich eigentlich? Bestrafen? Was für Gedanken kommen da hoch. Rache? - Wenn ich mir wünsche, dass der eine schlecht schläft, weil ich ihn auf den Teppich verwiesen habe um alle zu trennen, damit sie sich nicht wachhalten? Oder es dem anderen schlecht geht, weil er alleine liegen muss, was er gar nicht leiden kann?

Du hast mir geschadet, also sollst du auch einen Schaden erleiden - genau das war es doch. Über diese Erkenntnis musste ich schlucken.

 

Das war doch genau das, was ich den Kinder Tag für Tag predige, was sie genau nicht tun sollten: ,,Er hat mich auch gehauen!" - ,,Und bist du jetzt besser?"

So oder so ähnlich lauteten viele Sätze in letzter Zeit.

 

Ebenso höre ich noch diese und ähnliche Worte in meinen Ohren: ,,Schrei", ,,Mecker", ,,Hau" oder ,,Jammer, doch nicht gleich. Du kannst doch auch lieb sagen, was du nicht willst", etc.

Und was habe ich gemacht? Ich schrei sie an, wenn sie etwas machen, was ich nicht will. Vorleben pur kann ich nur sagen.

 

Oh Mann. So viel Selbsterkenntnis ist schon heftig. Aber sie war nötig. Mit meinem Sohn hab ich schon manchesmal wegen einer überzogenen Reaktion meinerseits gehadert und mir wollte tatsächlich keine Lösung einfallen. Aber es war eben nicht so schlimm, also fiel es immer wieder unter den Teppich.
Aber die drei zusammen, ja die hatten es in sich.

 

Was also tun?

Wieder Vorbild sein. Ich möchte, dass die Kinder es schaffen zwar deutlich, aber eben auch freundlich zu sagen was sie wollen und was nicht. Und dies auch, wenn sie geärgert werden. Also muss ich dies auch tun, wie sollen sie es sonst lernen?

 

Was passierte?

Statt dem einen ärgerlich oder abschätzend zu sagen, er solle doch mit dem blöden Spiel aufhören (Teddys kämpfend gegeneinander schlagen), nahm ich ihn in den Arm und sagte wie sehr ich in liebe und das er sowas nicht spielen braucht. Und dann nahm ich die Teddys in den Arm und tröstete sie. Er nahm es, ich glaube leicht irritiert, an. Sein Bruder beobachtete das ganze und sagte dann: ,,Wenn ich meinen Bruder ärgere, dann sollst du mich auch in den Arm nehmen und kuscheln, dann höre ich auf."

Was glaubt ihr wie ich da gestaunt habe. Natürlich habe ich ihm annerkend versichert, dass das eine wunderbare Idee ist und ich dies ab jetzt so machen werde.

Ich hatte auch kurze Zeit später die Gelegenheit dazu und es klappte hervorragend. Ganz ruhig und ganz lieb konnte ich so kommunizieren. Es war fantastisch.

 

Sicherlich, die Tage werden zeigen, welche Stolpersteine es noch gibt. Aber ich fühle mich gut. Ein großer Knoten ist geplatzt.


Danke!!