Passionsblume  (Passiflora incarnata)


Beschreibung:
Sie bildet bis 5 m lange kahle, dünne, schwach gerillte rankende Stengel aus, an denen die gestielten, tief dreilappigen, am Grund keilförmigen Blätter wechselständig angeordnet sind. Die Blattlappen sind eiförmiglanzettlich, am Rand kleingesät. Der Blattstiel ist mit zwei extrafloralen Nektardrüsen ausgestattet. In vielen Blattachseln werden lange, sich eng zusammenziehende einfach Ranken ausgebildet. Die gestielten Blüten, die mit ausgebreiteten Kelch- und Blütenblättern einen Durchmesser von etwa 8 cm besitzen, stehen in den Achseln der jüngsten Blätter. Die am Grund zu einer kurzen Röhre verwachsenen Kelchblätter sind länglich-eiförmig und stachelspitzig. Die Blumenblätter, die weiß, fleischrot oder fast violett gefärbt sind, haben die Form der Kelchblätter, sind aber vorn stumpf. Innerhalb der Blumenkronblätter befindet sich ein dichter Fadenkranz purpurroter, innen fast schwarzer Nebenkronblätter. Sie haben 5 Staubgefäße. Die Griffel sind unterwärts verwachsen.
Sie ist winterhart bis -15°C und zieht dann wie eine Staude ein, um dann aus ihrem Wurzelstock im Frühling wieder auszutreiben.
Bei guten Lebensbedingungen wird die Passiflora auch fruchten.

verwendete Pflanzenteile:
das Kraut (ohne die Wurzeln), aber in alter Tradition auch die Wurzeln (siehe unten)
Das Fruchtfleisch ist eßbar und reich an Vitamin C.

Vorkommen:
Standort: Sonne; eine Hauswand mit Dachvorsprung, eine überdachte Terasse oder Balkon. Sie sollte also vor allem im Winter vor übermäßiger Nässe geschützt sein
Boden:     frisch, nährstoffreich, durchlässig tiefgründig

Ernte:
zur Blütezeit

Haltbarmachung:
trocknen


Inhaltsstoffe:
Flavonoide (v.a. Vitexin), Cumarin, Umbelliferon, Maltol, Harmin, Passiflorine, Stigmasterol, Sitosterol, Luteolin, Kaempferol



Wirkung und Anwendung:

  • (nervöse) Schlaflosigkeit, allg. Nervosität, nervöse Unruhe, verschiedenartige Erregungszustände, angstlösend, beruhigend, Ängste
  • Epilepsie, Tetanus
  • Herzneurosen, Kreislaufunregelmäßigkeiten, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, Durchblutungsstörungen
  • nervös bedingte Magen-Darm-Beschwerden, krampflösend, Reizdarm, Reizmagen
  • adstringierend
  • schweißtreibend
  • Augenringe
  • Wechseljahrsbeschwerden
  • In der Volksheilkunde der eingewanderten europäischen Siedler im südlichen Appalachengebiet wurden Aufgüsse aus getrockneten Blättern als Sedativum bei Nervosität, Hysterie und gegen Schlaflosigkeit verwendet (ob diese Praxis von den Indianern übernommen wurde, ist nicht bekannt).


speziell Wurzeln:

  • Bei den Indianern Nordamerikas kam – wie bereits angeführt – Passiflora incarnata medizinisch nicht als Kraut, sondern in Form von Wurzelzubereitungen zum Einsatz.
  • Die Houma verwendeten Wurzelstückchen in Trinkwasser als Blut-Tonikum.
  • Die Cherokee verabreichten Kleinkindern zur leichteren Entwöhnung Wurzeltee, bei Erwachsenen wurde er gegen Leberbeschwerden eingesetzt.
  • Breiumschläge aus gemahlener Wurzel wurden bei Schnittwunden verwendet, abgekochter Wurzelsud bei Entzündungen eingesetzt und warme Aufgüsse bei Ohrenschmerzen in die Ohren geträufelt.


Wie bei allen stark wirksamen Heilkräutern sollte man nach sechs Wochen Daueranwendung eine Pause einlegen und vorübergehend einen anderen Tee mit ähnlicher Wirkung trinken. Anschließend kann man wieder sechs Wochen lang Passionsblume-Tee trinken. Durch die Pause werden eventuelle unerwünschte Langzeitwirkungen verhindert und die erwünschte Passionsblume-Wirksamkeit bleibt erhalten und lässt nicht durch Gewöhnung nach.


Tee:
1 Tl Kraut mit 150 ml heißem Wasser übergießen und nach 10 min abseihen.
Als Schlaftee eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen eine Tasse Tee trinken



Tinktur:
siehe allg. Tinkturherstellung
zur innerlichen Anw. (ein bis drei mal täglich 10-50 Tropfen ein)
Wenn einem die Tinktur zu konzentriert ist, kann man sie mit Wasser verdünnen.
Für eine homöopathische Urtinktur wird die frische Pflanze verwendet, für eine normale Tinktur kann man getrocknete Pflanzenteile verwenden. Beides führt zu einem entspannenden Mittel gegen Schlafstörungen.



in der Küche:
Nordamerikanische Ureinwohner nutzten Passiflora incarnata als Nahrungsmittel und zur Getränkezubereitung. Aus Virginia berichteten Forschungsreisende 1612, dass dort ansässige Indianerstämme die Pflanzen unter der Bezeichnung Maracock (sprachlich verwandt mit Maracuja?) ihrer Früchte wegen anpflanzten. Diese wurden entweder roh gegessen oder zu Sirup verarbeitet.
Ihr Saft wurde auch ausgepresst und genossen, manchmal gestreckt mit Mehl.
Auch junge Triebe und Blätter wurden, gemischt mit anderen Gemüsen, in der Ernährung verwendet. Als Nahrungsmittel besitzt die Art heute keine nennenswerte wirtschaftliche Bedeutung, anders als beispielsweise Passiflora edulis (Maracuja).